St. Stephan, Mainz

Die Mainzer Schott AG hat der Gemeinde St. Stephan 230.000 € für die Anschaffung von drei neuen Glocken und die damit verbundenen Arbeiten im Glockenturm gespendet. Diese sehr großzügige Zuwendung ermöglicht es, die historische „Beatrix - Glocke" von 1493, die seit dem Krieg als einzige Glocke im Stephansturm läutet, zu entlasten. Vor allem aber erhält St. Stephan nun wieder ein der Größe und Bedeutung der Kirche angemessenes Geläut. 



Technischen Daten


Gegossen wurde eine d-Glocke (1900 Kilogramm, 145 Zentimeter Durchmesser), eine e-Glocke (1400 Kilogramm, 128 Zentimeter Durchmesser) und eine g-Glocke (800 Kilogramm, 108 Zentimeter Durchmesser). Die vorhandene „Beatrix-Glocke" ist eine fis-Glocke mit einem Gewicht von 1100 Kilogramm und einem Durchmesser von 118 Zentimetern.


Das Geläute erklingt in den ersten Tönen der D-Dur Tonleiter. Es fügt sich damit in das Geläute der umliegenden Kirchen, besonders von St. Johannis, St. Quintin und dem Mainzer Dom ein.



Die Namen


Die neuen Glocken sind nicht einfach nur anonyme Klangkörper, sondern Instrumente der Verkündigung. Sie tragen die Namen unserer drei Kirchenpatrone: Stephanus, Willigis und Maria von Magdala.


Stephanus, der erste Märtyrer, bekennt seinen Glauben an Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Er sieht „den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen" (Apg 7,56). Er findet die Kraft, sein eigenes Leben loszulassen und noch im Sterben Jesus das Wort von der Vergebung für seine Feinde nachzusprechen (Apg 7,60). So steht er für die humanisierende Kraft eines Glaubens, der nicht in der Selbstbehauptung, sondern in dem in Christus selbst anschaubaren Weg der Selbsthingabe den letzten Sinn und das Ziel des Lebens erschlossen sieht und der im andern, selbst noch im Feind, das Ebenbild Gottes zu achten lehrt.


Willigis, der St. Stephan als Gebetsstätte des Reiches hat errichten lassen, steht für den besonderen Auftrag dieser Kirche , ein Symbol des Friedens zu sein, „das zur Liebe zu Gott und den Menschen, zu Verständigung und Versöhnung ruft" (Msgr. Mayer in seinem Gebet zum Abschluss der Meditationen zu den Chagallfenstern) - ein Auftrag, den St. Stephan heute in besonderer Weise wahrnimmt: durch die Fenster von Marc Chagall in diesem durch Krieg und Zerstörung so schwer getroffenen und noch heute davon gezeichneten Gotteshaus. Willigis steht - als der Stifter von St.Stephan - für die Hoffnung auf den Frieden der Menschen und der ganzen Schöpfung im Angesicht Gottes, auf Gerechtigkeit und Versöhnung, wie sie in den Bildern und Gleichnissen des alten und des neuen Testamentes für die Vollendung im Reich Gottes verheißen sind; eine Hoffnung auf Vollendung, für die jetzt schon die Kirche - in den Worten des zweiten vatikanischen Konzils - ein „Zeichen und Werkzeug", ein „Sakrament" (griechisch: Symbol) sein soll.
Maria von Magdala, die den Herrn am Ostermorgen unter Tränen sucht, wird zur ersten Zeugin der Auferstehung und zur Apostola Apostolorum. Sie steht für die Macht der Liebe, die stärker ist als der Tod und für den Auftrag der christlichen Gemeinde, Zeuge für die lebendige Gegenwart des Auferstandenen zu sein, ein Zeugnis, das in dem Maße glaubwürdig ist, in dem die Christen als Menschen erfahrbar werden, die aus der Liebe leben.


Der Gestaltung des Glockenmantels, für die der Künstler Eberhard Münch beauftragt wurde, kommt die Aufgabe zu, die Aktualität der Botschaft, in deren Dienst die neuen Glocken stehen, zum Ausdruck zu bringen.


Im Gedenken an den Tag der Zerstörung von Mainz und der Stephanskirche am 27. Februar 1945 läuteten die neuen Glocken zum ersten Mal am 27. Februar 2009.